Aktuelles Detailansicht

Brief des Bischofs an die Gemeinden

Liebe Schwestern und Brüder, Sie alle haben in diesen Tagen von den ersten Ergebnissen einer wissenschaftlichen Studie gehört, die das ganze Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche unseres Landes seit 1945 untersucht hat.

Mit Ihnen bin ich zutiefst erschüttert und traurig über das unermessliche Leid, dass unzähligen Menschen zugefügt worden ist. Die Studie bescheinigt unserer Kirche ein großes Versagen, weil viele Verantwortliche zu wenig oder nichts getan haben, um Verbrechen zu verhindern, aufzudecken, aufzuklären und zu ahnden. Ich kann den Zorn verstehen, der viele Menschen in unserem Land und sicher auch viele von Ihnen erfasst hat. Unsere Kirche erhebt einen hohen moralischen Anspruch. Gerade in früheren Jahrzehnten haben viele Katholiken manche sexualmoralischen Forderungen als überzogen, belastend und bedrängend erlebt. Umso schrecklicher ist es dann, wenn sich im Rückblick zeigt, in welch einem Ausmaß Amtsträger unserer Kirche moralisch versagt haben. 

Mit Ihnen wühlt mich auf, was im Namen unserer Kirche unzähligen Kindern und Jugendlichen angetan worden ist. Sie leiden meist ihr Leben lang an den Folgen des sexuellen Missbrauchs. Unsere Kirche hat schwere Schuld auf sich geladen. Wir sind es den Opfern schuldig, dass wir alles tun, damit solches Leid ein Ende hat und nie wieder geschehen kann.

In den vergangenen Jahren haben wir schon viele richtige Schritte in die Wege geleitet, um dem sexuellen Missbrauch entschieden entgegen zu treten. Die wissenschaftliche Studie zeigt aber eindeutig, dass wir erst am Anfang stehen. Die Gefahren sind bei weitem nicht gebannt. Wir müssen befürchten, dass es unter uns nach wie vor sexuellen Missbrauch gibt und geben kann. Darum werde ich weiterhin alles tun, damit solche Verbrechen in der Kirche unmöglich werden. Alle Fälle von sexuellem Missbrauch werden auch weiterhin konsequent zur Anzeige gebracht und dienst- sowie kirchenrechtlich geahndet. Ich will die Opfer wirksam unterstützen und prüfen, was wir hier noch verbessern können. Von hoher Bedeutung ist eine bestmögliche Prävention, die wir weiter entwickeln werden. Dazu erbitte ich Ihre Unterstützung und Ihr Mittragen der vielfältigen Maßnahmen, die wir bereits begonnen haben und weiterführen wollen. 

Ich versichere Ihnen, dass ich mich auch über unser Bistum hinaus entschieden dafür einsetzen werde, die Ergebnisse der Studie und die Empfehlungen der Wissenschaftler sehr ernst zu nehmen. Dazu gehören vor allem auch die alarmierenden Hinweise, dass einige Vorstellungen und Aspekte unserer katholischen Sexualmoral sowie manche Macht- und Hierarchiestrukturen sexuellen Missbrauch begünstigt haben und immer noch begünstigen. Wir müssen darüber in der Bischofskonferenz, aber auch in unserer gesamten Kirche offen und angstfrei reden, damit wir die richtigen Konsequenzen ziehen. Ich bin bereit, mich allen kritischen Anfragen zu stellen und wünsche mir sehr, dass wir in einem offenen Dialog herausfinden, welche grundsätzlichen Veränderungen in unserer Kirche erforderlich sind, damit sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch bei uns keinerlei Nährboden mehr finden.

Heute bitte ich Sie, liebe Schwestern und Brüder: Helfen Sie mit, dass unsere Initiativen gegen den Missbrauch wirksam werden. Unterstützen Sie die Maßnahmen zur Prävention, die manchmal auch mühsam sind, wenn von hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden die Bereitschaft abverlangt wird, Führungszeugnisse vorzulegen, an Schulungen teilzunehmen oder Schutzkonzepte zu entwickeln. All das gehört dazu, damit wir eine Atmosphäre der Wachsamkeit schaffen, die Kinder und Jugendliche schützt und Verbrechen verhindert. Vor allem aber bitte ich Sie um Ihr Gebet für die Opfer sexuellen Missbrauchs, denen durch Priester und andere Verantwortliche der Kirche unsägliches Leid zugefügt wurde.

Am 25. September 2018 wird die Missbrauchs-Studie uns Bischöfen im Rahmen unserer Vollversammlung in Fulda vorgestellt. Schon jetzt steht für mich fest, dass ich unmittelbar danach Gespräche mit vielen Verantwortlichen in unserem Bistum führen werde, um über notwendige Schritte und Konsequenzen aus der Studie zu beraten. Über die weiteren Fortschritte werde ich Sie in den kommenden Monaten informieren. Am 6. November 2018 werde ich zudem in einer öffentlichen Veranstaltung in unserer Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim gemeinsam mit zwei Mitgliedern der Forschungsgruppe über die Studie informieren und diskutieren.

Liebe Schwestern und Brüder,
der sexuelle Missbrauch in unserer Kirche ist nicht auf unser Land beschränkt. Unsere katholische Kirche insgesamt ist davon in einem erschreckenden Ausmaß betroffen. Wir erleben eine sehr dunkle Stunde unserer Kirchengeschichte, die hoffentlich zu einer Reinigung und Erneuerung führen wird. Papst Franziskus hat erkannt, in welch einer schweren Krise wir uns befinden. Ich bitte Sie darum, mit mir für unseren Papst und für unsere Kirche als Ganzes darum zu beten, dass wir gemeinsam erkennen, was Gott jetzt von uns verlangt und wohin er seine Kirche führen will.  

So übermittle ich Ihnen meine herzlichen Segenswünsche und Grüße.

Ihr
+ Franz-Josef Overbeck
Bischof von Essen

Interessante Webseiten

Propsteipfarrei St. Lamberti          
Humboldtstr. 21
45964 Gladbeck

Tel.: 0 20 43 / 27 99 15
info(at)sankt-lamberti.de

 

Kontaktformular
Öffnungszeiten

Das Pfarrbüro ist in der Zeit vom 15.10. bis 02.11.2018 vormittags von 09.30 Uhr bis 12.00 Uhr für Sie geöffnet.

Öffnungszeiten des Pfarrbüros

Montag u. Dienstag:
09:30 – 12:00 Uhr
15:00 – 17:00 Uhr

Mittwoch:
09:30 – 12:00 Uhr

Donnerstag:
09:30 – 12:00 Uhr
15:00 – 18:00 Uhr

Freitag:
09:30 – 12:00 Uhr

Archiv
Das Fotoarchiv ist noch in Arbeit.