Kevelaer-Wallfahrt

Die Gladbecker Fußprozession nach Kevelaer

Gnadenkapelle

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges lebte in Geldern der Kleinhändler Henrik Buschmann. Er zog regelmäßig über Land, um seine Ware feilzubieten. Als er um Weihnachten 1641 auf der Kevelaer Heide vor einem Hagelkreuze betete, hörte er eine Stimme:
"Hier sollst du mir ein Heilgenhäuschen bauen."


Er schlug sich die Sache aus dem Sinn. Nach acht Tagen geschah dasselbe und einige Tage darauf ein drittes Mal. Da entschloss er sich zum Bau eines solchen Heiligenhäuschens. In diesem wurde am 31. Mai 1642 das Gnadenbild aufgestellt. Es ist die Abbildung eines Muttergottesbildes, das seit 1625 in Luxemburg verehrt wird. Hessische Soldaten hatten es der Frau Buschmann angeboten.
Schon am Tage der Aufstellung kam eine große Menge Menschen aus Geldern und anderen Orten zum Bilde der "Trösterin der Betrübten". Von Jahr zu Jahr wurden die Pilgerscharen größer.

 

Das älteste Zeugnis über die Gladbecker Prozession stammt aus dem Jahre 1648. Der damalige Pastor Siphausen berichtete, er habe mit seiner Gemeinde eine Bittfahrt nach Kevelaer unternommen. In jener Zeit waren natürlich solche Wallfahrten nur zu Fuß denkbar. Ob die Prozession nach 1648 regelmäßig oder in bestimmten Zeitabschnitten erfolgte, ist nicht festzustellen. Schriftliche Aufzeichnungen darüber fehlen.

 

Soviel ist aber nach mündlicher Überlieferung sicher, dass sie seit mehr als 150 Jahren regelmäßig durchgeführt wurde. Sie war acht Tage nach dem Feste Peter und Paul und dauerte vier Tage. Am ersten Tage ging es über Sterkrade bis Alpen, wo übernachtet wurde; am zweiten Tage langte man in Kevelaer an. Am dritten Tage begann der Heimweg. In Alpen wurde wieder übernachtet, und am vierten Tage kam die Prozession wieder in Gladbeck an.

 

Nach Eröffnung der Eisenbahnlinie Wanne-Eickel -Winterswyk bürgerte sich mehr und mehr der Brauch ein, für Pilgerfahrten die Eisenbahn zu benutzen.
Ein kleiner Teil behielt jedoch die Fußprozession, wenn auch in etwas abgewandelter Form, bei. Sie dauerte von Samstag bis Montag. Gegen 4 Uhr brach man vom Krankenhause auf. Zu Fuß ging es bis Sterkrade. Dann benutzte man die Eisenbahn bis Wesel. Die Strecke von Wesel bis Kevelaer wurde wiederum zu Fuß zurückgelegt. In Alpen war eine einstündige Mittagsrast. Nach der Ankunft in Kevelaer ging es zuerst zur Gnadenkapelle. Dann suchte jeder sein Quartier auf. Der Sonntag diente dem Gebet am Gnadenorte.
Am Montag versammelten sich die Pilger um 7 Uhr in der Frühe an der Gnadenkapelle zum Auszuge. Der Weg führte über Sonsbeck nach Xanten. Von Xanten ging die Fahrt per Schiff bis Wesel und von dort aus mit der Eisenbahn nach Gladbeck.

 

An der Fußprozession beteiligten sich zeitweise 200 bis 300 Pilger. Um das Tragen der Lebensmittel zu erleichtern, fuhr früher ein Wagen mit. So wird berichtet, dass die Bauern Söller und Schulte-Rentrop Wagen gestellt haben. Unterwegs lebte man fast ausschließlich von den mitgenommenen Vorräten.

Und heute? Obschon das Auto mit seiner Bequemlichkeit immer mehr Pilger zu sich herüberzieht, und obschon der starke Autoverkehr auf den Straßen Pilgergruppen zu Fuß allerlei Schwierigkeiten bereitet, hängt doch ein treuer Stamm an der althergebrachten, liebgewordenen Fußprozession, weil in ihr der Gedanke der Sühne und Buße, der Pilgerschaft, seinen sinnfälligsten Ausdruck findet.

(Aus dem alten Pilgerstab)

 
2.600 Kilometer Pilgerweg nach Kevelaer

Schon als kleines Kind begleitete ich meine Oma, Jahr für Jahr, ein Stück auf ihrem Pilgerweg nach Kevelaer. Ich hatte schon sehr früh den eigenen Wunsch, so wie die Erwachsenen, auch mal die ganze Strecke zu Fuß zu schaffen. 1959, als ich 14 Jahre alt war, ging dieser Wunsch endlich in Erfüllung. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt natürlich keine Ahnung, dass mir das Schönste noch bevor stand. Ich lernte auf dieser Wallfahrt meinen späteren Ehemann kennen.

 

Jedes Jahr verspüren wir gemeinsam bis heute, nach wie vor, den Wunsch wieder mitzugehen. Aus gesundheitlichen Gründen begleitet mein Mann heute die Fußprozession nur noch mit dem Auto. In diesem Jahr wird es meine 50. Wallfahrt nach Kevelaer. Was mich, in all den Jahren, immer wieder dazu motiviert hat, blieb mir bis heute verborgen. Vielleicht ist es die unheimliche Kraft, die mich abends beim Einzug in Kevelaer immer wieder erfüllt, welche mir die verlorene Stärke zurück gibt um die guten und schlechten Zeiten im Leben zu bestehen. Spätestens dann fühle ich mich ganz nah bei der Mutter Gottes.

 

In den vielen Jahren war die Gemeinschaft der Pilgerreisenden ohne Schnörkel. Niemand musste sich verstellen oder seine Alltagsrolle spielen. So nah mit Gott, wurden alle Unterschiede nach den ersten Liedern schnell vergessen. Diese menschlichen Werte, die ich erfahren durfte, wünsche ich vielen jungen Menschen, denn die Welt scheint heute austauschbar geworden zu sein. Ich hoffe, dass es wieder eine Zeit geben wird, in der viele junge Menschen, wieder die Wärme echter Werte erfahren können und sich dem einmaligen Erlebnis dieser Wallfahrt zuwenden werden. Trotz körperlicher Strapazen, Regen, Wind und brütender Hitze, war jede Pilgerreise ein bereicherndes Erlebnis in meinem Leben, dessen Erfahrung ich gerne weiter gebe möchte. Dieses Bewusstsein wünsche ich allen Menschen, die ihren Platz im Leben noch suchen.

 

Wer sich auf den Weg nach Kevelaer begibt, wird niemals leer zurück kommen. Das sage ich aus fester Überzeugung.

In großer Dankbarkeit zur Maria der Mutter Gottes

MONIKA MÜLLER, Gladbeck


Gedanken zur Wallfahrt

Unterwegs sind wir ständig, solange wir unser Vaterhaus noch nicht erreicht haben.
Erst dort hat die Pilgerschaft ein Ende.
Unterwegs sind wir auf den vielen Straßen dieser Welt.
Unterwegs sind wir mit wechselnden Schicksalen.
Unterwegs sind wir mit sehenden oder blinden Augen.
Unterwegs sind wir mit offenem oder verschlossenem Herzen, mit gebendem oder nehmendem Sinn.
Unterwegs geschieht vieles mit uns.
Es kann uns zum Heil und zum Verderben werden.
Hält auch Gott, unser Herr, unsere großen Schicksale in Händen, so entscheiden wir doch in vielem über uns selbst, über unseren irdischen Wanderweg.
Unterwegs gehen Freunde mit uns, Menschen die uns lieben, die wir lieben.
Unterwegs bilden und erproben sich Charaktere.
Unterwegs kann es geschehen, dass wir allein gelassen werden, dass aller Schmerz der Einsamkeit unser einziges Wandergepäck ist.
Unterwegs beten, hoffen und planen wir.
Unterwegs ordnen wir Geschautes und Erlebtes in die Kammern unserer Seele.
Unterwegs geschieht es dann einmal:
Das Herz steht still.
Drüben im Heimathaus der Ewigkeit erfahren wir Gottes Richterspruch über unser irdisches UNTERWEGS.

Die Gladbecker Wallfahrt zur Gottesmutter nach Kevelaer, der „Trösterin der Betrübten“, beginnt immer am zweiten Samstag im Juli.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

  • Christian Sprenger // Tel. 02043 / 22975
  • Sebastian Sprenger // Tel. 02043 / 937500
  • Günter Oelke // Tel. 02043 / 52308
  • Margareta Rottmann // Tel. 02043 / 71364

Interessante Webseiten

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45964 Gladbeck

Tel.: 0 20 43 / 27 99 15
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