Stadtmitte, St. Lamberti

Orgelneubau 1960

3 Manuale und Pedal, 36 Register, mechanische Ton-, elektrische Registertraktur

Orgelbau Johannes Klais, Bonn

1. Manual, Hauptwerk

3. Manual, Rückpositiv

 

10) Pommer 16’

34) Quintatön 8’

11) Principal 8’

35) Lieblich Gedackt 8’

12) Rohrflöte 8’

36) Venezianerflöte 4’

13) Oktav 4’

37) Principal 2’

14) Gemshorn 4’

38) Sifflöte 1 1/3

15) Hohlpfeife 2’

39) Terz 1 3/5

16) Rauschpfeife 3 fach

40) Oktävchen 1’

17) Mixtur 4 fach

41) Cymbel 3 fach

18) Spanische Trompete 8’

42) Musette 8’

2. Manual, Schwellwerk

Pedal

 

24) Grobgedackt 8’

1) Principal 16’

25) Salicional 8’

2) Subbass 16’

26) Principal 4’

3) Oktav 8’

27) Singend Gedackt 4’

4) Rohrgedackt 8’

28) Nasard 2 2/3

5) Choralbass 4’

29) Schwegel 2’

6) Nachthorn 2’

30) Scharff 4 fach

7) Hintersatz 5 fach

31) Dulcian 16’

8) Posaune 16’

32) Schalmei Oboe 8’

9) Zink 4’

33) Tremulant

 

 

                  Koppeln: I/P, II/P, III/P, II/I, III/I, II/III

                  Mechanische Spieltraktur

                  Elektrische Registertraktur

Handregister mit zwei freien Kombinationen

Tremulant RP, Koppel II/III und Veränderung Cymbel 3fach 1985

Zusätzlich gibt es seit 2010 einen fahrbaren elektronischen Spieltisch des Orgelbauers Markus Harder Völkmann mit einer großen Setzeranlage, zusätzlichen Sub- und Superkoppeln für das Schwellwerk, reversiblen Koppeln und getauschter Manualanordnung von Schwellwerk (jetzt III) und Rückpositiv (jetzt II)

Neben der Orgel auf der Westempore verfügt die Gemeinde über ein Orgelpositiv der Orgelbaufirma Fleiter, Münster. Dieses Positiv stand vormals in der kath. Gemeinde in Düsseldorf Lohhausen und wurde im Jahre 1995 zunächst zum Gebrauch in der Krankenhauskapelle des St. Barbara Hospitals angeschafft. Hier wurde es bald durch ein elektronisches Instrument verdrängt und ersetzt seit 1996 eine andere fahrbare Orgel in der St. Lambertikirche. Es diente zunächst der musikalischen Begleitung der Gottesdienste im Chorraum und wurde bei Konzerten als Continuoinstrument eingesetzt. Heute ist es mit dem elektronischen Spieltisch verbunden und kann so in das musikalische Gesamtgeschehen eingebunden werden. Vordringlich wird es benutzt, den Kantoren und unseren musizierenden Gruppen klangliche Präsenz im Chorraum zu verschaffen.

 

Das Positiv hat die Register:

            Pommer 8’

            Rohrflöte 4’

            Oktave 2’

            Quinte 1 1/3’

 

Im Programm zur Orgelweihe der große Klais Orgel vom Sonntag Gaudete 1960 heißt es:

„Die neue Orgel hat elektrische Schleifladen, mechanische Traktur und elektrische Registratur. Der Spieltisch, freistehend im Raum, verfügt über 3 Manualwerke und 1 Pedalwerk mit insgesamt 36 Registern. Das Hauptwerk (I. Manual) hat 9 Register, steht hoch im Gurtbogen und besitzt waagerechte Trompeten (Spanische Trompeten). Darunter befindet sich das Schwellwerk (II. Manual) mit 9 Registern. Links und rechts an den Stirnwänden der Orgelbühne sind die Pedaltürme aufgebaut (9 Register) mit der Posaune im Prospekt. Das Rückpositiv steht als III. Manual mit 9 Registern in der Brüstung der Orgelbühne.

Die Orgel wurde erbaut von der Firma Johannes Klais, Bonn. Die Disposition entwarf Heinz Küper in Zusammenarbeit mit dem Erbauer der Orgel. die architektonische Planung führte Dipl.-Ing. Architekt Wolfgang v. Chamier, Essen, im Auftrage der Orgelbaufirma durch.“

Die Gehäusearbeiten wurden von der in Gladbeck sehr bekannten und durch ihre Inhaber der Kirchenmusik in St. Lamberti sehr verbundenen Schreinerei Niermann ausgeführt.

Die Orgel wurde im morgendlichen Festhochamt eingeweiht. Der verantwortliche Kirchenmusiker Heinz Küper spielte Orgelwerke von Dietrich Buxtehude und Max Reger. Der Kirchenchor sang eine Messkomposition von Flor Peeters. Die Orgelbegleitung hatte Frau Dorothea Hilbig inne. Zur nachmittäglichen Festandacht trug Domorganist Prof. Josef Zimmermann aus Köln mit großen Orgelwerken von J. S. Bach, Ernst Pepping, Jaques Ibert, Darius Milhaud, Jean Langlais und einer Improvisation bei.

 

In den 60er und 70er Jahren entstanden eine Vielzahl von Rundfunkaufnahmen für den WDR mit damals international bekannten Interpreten wie Josef Bucher, Jean Costa oder Karl Hochreiter. Im Rahmen der Städtischen Kulturveranstaltungen Gladbecks fanden einzelne Orgelkonzerte statt. Als im Jahre 1985 die Orgel der St. Lambertikirche 25 Jahre alt wurde, nahm der nun verantwortliche Kirchenmusiker Konrad Suttmeyer das zum Anlass, dieses Instrument durch eine eigene Konzertreihe stärker im Bewusstsein der Gladbecker Bevölkerung zu verankern.

Während der nun jährlich organisierten Konzertreihen jeweils im September steht die Orgel prinzipiell im Mittelpunkt. Ob im reinen Orgelkonzert mit regional, überregional oder international tätigen Konzertorganisten (z.B. Ben van Oosten, Philippe Lefebvre, Winfried Bönig, Nicolas Danby, Hans Leitner, Wolfgang Seifen waren zu Gast), ob im Konzert für Orchester und Orgel (z.B. Konzert für Streichorchester, Orgel und Pauken g-Moll von Poulenc), ob als Begleitung einer Singstimme oder eines Soloinstrumentes oder ob im Zusammenhang mit einem Chor: immer spielt die Orgel eine tragende, unverzichtbare Rolle.

Immerhin ist die Orgel auch heute noch so weit anerkannt, dass sie 2010 in dem Buch „Orgeln im Ruhrgebiet“ von Karl-Heinz Göttert und Eckhard Isenberg aus dem J. P. Bachem Verlag unter der Überschrift „Zeit des Übergangs“ eine Würdigung erfährt.

 

Unsere Orgel ist als norddeutsch neobarockes Instrument geplant und aufgebaut. Es zeigt in der Disposition eindeutig Werkcharakter, d. h. ein jedes der 4 Teilwerke ist für sich eigenständig. In der Konstruktion findet sich deutlich die Anlehnung an den „Hamburger Prospekt“ mit den übereinander angeordneten Teilwerken Brustwerk (Schwellwerk), und Hauptwerk in der Mitte, den seitlichen Pedaltürmen und dem Rückpositiv in der Emporenbrüstung. Mit Rücksicht auf den großen Chor der Gemeinde wurden aber Zugeständnisse gemacht. So existiert ein großer Abstand zwischen Rückpositiv und Hauptgehäuse, um Platz zu bieten für die Choraufstellung. Unüblich und eher in Süddeutschland anzutreffen ist auch die Aufstellung des Spieltisches mit Blick zum Altar, resp. mit Blick des Organisten zum Dirigenten bei der Chorbegleitung. Unüblich ist auch die Zuordnung des Rückpositivs zum III. Manual, allerdings aus technischen Gründen wiederum sehr schlüssig.

In klanglicher Hinsicht vertritt unsere Orgel die norddeutsche Barockorgel durch den lückenlosen gestuften Prinzipalaufbau als wesentliches Rückgrat jedes Instrumentes. Aus diesem Konzept fällt dabei die Spanische Trompete heraus, wie der Name schon deutliche macht. Sie ist sicherlich geplant als optisch gestalterisches Element, wie bei vielen Orgeln der 1960er Jahre, muss aber klanglich als Kompromiss gewertet werden. Als Zugabe zum Konzept der norddeutsch barocken Orgel gilt das Vorhandensein des Salicional 8’ und die schwellbare Ausführung des Brustwerkes.

In technischer Hinsicht wurde die Orgel nach bestem Wissen und Gewissen mit den Möglichkeiten der 1960er Jahre gebaut. Sie hat kein selbsttragendes Gehäuse, sondern ist mit Einsatz von Span- und Tischlerplatten um ein Stahlgerüst herum konstruiert. Die Spieltraktur wird nicht aus Holzabstrakten mit dementsprechenden Winkeln und Wellen gebildet, sondern funktioniert mit kunststoffummantelten Stahlseilen. Windkanäle sind nicht aus Massivholz gezimmert, sondern bestehen aus Flexkondukten.

Wenn es sich bei der Orgel in mancherlei Hinsicht nicht um ein stilreines Instrument handelt, und angesichts der Entstehungszeit auch nicht handeln kann, so zeichnet sie sich doch durch ihren unverwechselbar eigenständigen, charaktervollen Klang aus und erlaubt somit die Darstellung einer großen Bandbreite von Orgelmusik.

Konrad Suttmeyer
Kantor
Bischöflicher Orgelsachverständiger

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