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Ein Ausblick auf das kommende himmlische Jerusalem

Bild Chorbild der St. JohanneskircheErläuterungen zum Chorbild der Johanneskirche

Seit dem 11. Februar 1979 ist die Johanneskirche um ein Kunstwerk, ein großartiges Andachtsbild, reicher. Die 87 qm große Chorwand wurde vom Maler Hermann Gottfried aus Bergisch-Gladbach in Farbe kompositorisch gestaltet, ausgehend von dem Wort des Sehers aus der Geheimen Offenbarung des Neuen Testamentes: „Ich hatte eine Vision: Da war eine offene Tür am Himmelstempel.“ Durch diese offene Tür dürfen wir gleichsam schauen wie durch den Lettner einer mittelalterlichen Kirche.

Es geht dem Künstler um die Einstimmung in eine Atmosphäre, die aus dem Zusammenspiel von Raum, Architektur, Farbe und der künstlerischen Aussage im Bild lebt. So lässt der Maler das Kreuz über dem Altar als Horizontale und Vertikale im Chorbild wiederkehren. Selbst die Architektur der Fenster ist in das Chorgemälde miteinbezogen, wie es in den Rundbögen zu erkennen ist. Auch die Figuren und Ornamente betonen die architektonischen Formen, werden aber dennoch eine Einheit. So fügt sich das Kultbild harmonisch in den Kirchenraum ein.

Bild Chorwanddetail der St. JohanneskircheIm oberen Bereich des Bildes sehen wir „die lebenden Wesen“, schwebende Engel. Engel aber sind nie um ihrer selbst willen da, sondern um Gottes willen. Die Existenz der Engel besteht in Lobpreis und Dienst. Christus allein gebührt ja „Ehre und Herrlichkeit und Lobpreis“. Darunter, in der zweiten Region rechts, loben musizierende Engel den König der Könige. Ein Bild der Freude.

Bild Chorwanddetail der St. JohanneskircheIn der dritten „Ebene“ sehen wir Heilige. Es sind „die“, – wie es in der Geheimen Offenbarung heißt, – „die aus der großen Trübsal kommen“, ein Begriff für Verfolgung und Bedrückung am Ende dieser Weltzeit. „Sie haben ihre Kleider weißgewaschen im Blute des Lammes.“ Das heißt: sie erhielten Anteil am stellvertretenden Heilstod Jesu, weil sie sich zu ihm bekannten, viele bis zum Blutzeugnis. So erlangten sie das Heil, sind damit für immer bei Gott. Das ist Himmel. „Ich sah eine große Schar, die niemand zählen konnte aus allen Völkern, Stämmen und Sprachen …“ Stellvertretend für alle bekannten und unbekannten Heiligen finden wir hier einige dargestellt in lichten Gewändern, mit vergeistigten Zügen, mit gleichsam verklärtem Leib, denn sie sind ja bereits in die Herrlichkeit Gottes eingegangen.

Bild Chorwanddetail der St. JohanneskircheDa ist auf der linken Seite, Christus am nächsten, Maria dargestellt, die Gottesmutter als Urbild der Kirche, „der Mond zu ihren Füßen, auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen“, ein Bild aus der „Geheimen Offenbarung“. Schon die Kirchenväter deuteten diese Vision einer Frau auf Maria. Der Mond ist Sinnbild des Empfangens. Er hat ja seinen Schein nicht aus sich, sondern von der Sonne. So hat auch Maria alle Gnade von Christus, der Sonne des ewigen Lebens und Heils empfangen. Die zwölf Sterne, ursprünglich Zeichen der erwählten zwölf Stämme Israels, wurden zum Symbol aller von Gott Erwählten. So sind wir Christen in Maria, der Ersterlösten, alle mitgemeint.

Bild Chorwanddetail der St. JohanneskircheNeben Maria ein Heiliger unserer Tage: Maximilian Kolbe, ein polnischer Franziskaner, der im KZ Auschwitz 1941 stellvertretend für einen Mithäftling in den Hungertod ging. Das Rot im Hintergrund: Symbol für die Liebe und für das Martyrium des Blutes. Der angedeutete Stacheldraht und die Häftlingsnummer am Gewand zeigen, dass M. Kolbe vor den Machthabern seiner Zeit ein Nichts war, eine Nummer. Vor Gott aber gelten andere Maßstäbe. So spricht Jahwe schon durch den Propheten im Alten Bund: „Ich kenne dich bei deinem Namen, du bist mein! Ich habe dich in meine Hand geschrieben!“

Die dritte Gestalt ist Theresia von Lisieux, die kleine Heilige genannt, weil sie unauffällig und still den Weg der Christusnachfolge ging und so groß wurde vor Gott. Auf der Innenseite der Kuppel in der Basilika zu Lisieux lesen wir das bekannte Versprechen Theresias kurz vor ihrem frühen Tod: „Ich will meinen Himmel damit zubringen, auf Erden Gutes zu tun. Ich werde Rosen regnen lassen.“ Deshalb ist Theresia hier Rosen streuend dargestellt, ein Symbol dafür, dass uns Christus durch ihre Fürbitte Trost und Hilfe zukommen lässt.

Der vierte Heilige ist Franz von Assisi, der Mann der Umkehr, der in Christus ein neues Leben begann. Hier dargestellt wie er nach der Legende sogar Vögeln predigt. Das Grün der Vegetation im Bild des Franziskus deutet auf die Naturverbundenheit des Heiligen, der in seinem Sonnengesang betete: „Gelobt seist du mein Herr, durch unsere Schwester Mutter Erde, die uns ernährt und erhält, vielfältige Frucht uns trägt und bunte Blumen und Kräuter.“

Bild Chorwanddetail der St. JohanneskircheAuf der rechten Seite, Christus am nächsten, sehen wir Johannes den Täufer, unseren Pfarrpatron. Das Blau des Wassers deutet auf die Umkehrtaufe im Jordan. Das Lamm in seinem Gewand und die deutende Hand weisen hin auf Christus: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.“

Bild Chorwanddetail der St. JohanneskircheNeben Johannes steht Petrus, der erste der Apostel, nicht herrscherlich mit dem Schlüssel, sondern demütig, der Sünder und Heilige. Der Hahn zu seinen Füßen deutet auf das dreimalige Verleugnen Jesu. In seinem Netz hält Petrus einen Fisch … Da fragt Jesus zum dritten mal: „Simon-Petrus, liebst du mich?“ „Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich liebe.“ Petrus fühlt sich durchschaut bis in den tiefsten Grund seiner Seele und weiß sich als Sünder dennoch geliebt. So kann auch nur Liebe seine Antwort sein. Vielleicht wandern unsere Augen oft zu diesem Petrus, dass er uns Mut mache zu immer neuem Anfang.

Neben Petrus steht Paulus, dessen Predigt oft scharf und durchdringend war wie ein Schwert. Durch das Schwert wurde Paulus aber auch getötet. Deshalb ist er mit einem Schwert abgebildet, das sich jedoch zu einem Kreuz ausweitet, predigt Paulus doch Christus, den Gekreuzigten.

Der Vierte in der Reihe, mit Federkiel und Schriftrolle in der Hand, ist der Evangelist Markus, der Lehrer seiner Gemeinde. Er ist der Erste, der ein Evangelium schrieb, das auf uns gekommen ist. Da Markus aber auch der Patron unserer evangelischen Nachbargemeinde ist, erhielt er in unserer Kirche einen Ehrenplatz, ein ökumenisches Zeichen der Verbundenheit.

Auf der linken Seite, in mittlerer Höhe, hat der Maler drei unbekannte Heilige dargestellt. Die Dreizahl ist für die Bibel Symbol des Unendlichen. Am Fest Allerheiligen gedenken wir ja der unzähligen bekannten und unbekannten Heiligen, die je auf der Welt gelebt haben. Hier werden wir an sie erinnert.

Nun wird vielleicht mancher nach näherem Zusehen fragen: „Hat der Maler oben rechts und links vergessen, weitere Heilige darzustellen?“ Der Platz ist bewusst frei geblieben. Jeder von uns soll wissen: Auch für mich ist dort noch Platz. Auch ich bin zur Heiligkeit berufen. Gott will auch mich in seiner Nähe haben. Himmel, das ist nicht nur für einige Auserwählte. Gott will auch mein Glück, meine Vollendung. Es wäre gut, wenn wir oft unsere Blicke dorthin schweifen lassen, um uns an diese frohe Botschaft zu erinnern, besonders dann, wenn wir bedrückt und ohne Trost zum Gottesdienst oder stillen Gebet hierher kommen.

Bild Chorwanddetail der St. JohanneskircheÜber allen Heiligen ist oben unter der Gestalt einer Taube der Heilige Geist dargestellt. Als Gottes Kraft bricht er aus der Höhe in die Welt der Engel und Heiligen ein. Sie stehen im Kräftefeld göttlicher Ausstrahlung, die von oben her alles durchdringt. Des Gottesgeistes lebenbringende Kraft setzt sich dann fort in dem Bild der Feuerzungen unten.

Der Menschensohn, erhöht zur Rechten des Vaters, im goldenen Königsmantel, tritt uns aus dem blauen Rund des Hintergrundes entgegen am Triumphkreuz über dem Altar. Engel und Heilige gehören zu ihm. Und doch ist er der ganz andere. Dieser Christus und die Welt des Himmlischen bilden jedoch eine Einheit.

Bild Chorwanddetail der St. JohanneskircheWenn das Neue Testament vom Baum des Lebens spricht, dann ist damit das Kreuz gemeint. „Vom Baum kam der Tod, vom Baum des Kreuzes sollte das Leben erstehen.“ Die Frucht des Baumes wird uns zur Frucht des Lebens. Die an der Feier des Opfertodes Christi teilgenommen haben, erhalten Anrecht an dieser Frucht vom Baum des Lebens, jetzt schon als „Unterpfand kommender Herrlichkeit“. Einmal aber, wenn wir endgültig bei ihm sein werden, brauchen wir nicht mehr zu hungern und zu dürsten. Das Grün im Bild des himmlischen Jerusalem erinnert uns im Hinblick auf das Kreuz an diesen Baum des Lebens.

Einst im Paradies hatte der Mensch die Gemeinschaft mit Gott aufgekündigt. Durch Christi Heilstod leben Gott und Mensch wieder in enger Gemeinschaft, die in ein Leben ohne Ende übergehen wird. Dann ist alles Leid vergangen. Auch der Tod hat seinen Schrecken verloren, denn Christus ist Herr auch über den Tod: „Siehe ich war tot und nun lebe ich in alle Ewigkeit.“ Die alte Welt, die im Zeichen von Sünde, Leid und Tod stand, ist vergangen. Mit dem himmlischen Jerusalem ist das einst verlorene Paradies wiedergekehrt. Sein Wasser spendet Leben, aus dem herrliches Wachstum entsprießt und reicher Segen strömt. Wer denkt da nicht an Christi Wort: „Ich bin das lebendige Wasser.“ Ja, Wasser, das für den in der Wüste Lebenden kostbarer als Wein ist, empfängt der Sieger umsonst, sagt die Geheime Offenbarung. Diese Verheißung sollte der verfolgten und ringenden Kirche Mut machen. Sie schenke auch uns Kraft und Zuversicht. Das geschweifte Silberband rechts neben dem blauen Rund im Bild ist Hinweis auf dieses lebendige Wasser.

Alle menschlichen Sehnsüchte und alle göttlichen Verheißungen werden sich im himmlischen Jerusalem erfüllen. Der Verfasser der Geheimen Offenbarung kann die Fülle dieses Glücks nicht anders darstellen, als dass er alttestamentliche Heilszeichen aufgreift: den Lebensbaum – in dem Grün der Vegetation unten angedeutet und dem dunklen Stamm, aus dem alles hervorwächst, – und das Wasser des Lebens, von oben herabfließend. Die Blätter des Baumes, so heißt es in der Heiligen Schrift, werden den Menschen heilen, die Frucht gibt Nahrung, der Baum spendet Schatten. Eine Einladung an uns, sich im Schatten des Kreuzbaumes auszuruhn, Nahrung zu empfangen, sich heilen zu lassen. Die Quelle, die in der künftigen Heilszeit strömen wird, fließt schon jetzt und gibt lebenspendendes Wasser. Jedem, der im Glauben kommt, soll jetzt schon die Gabe des Lebens, die Christus schenkt, die er selber ist, zuteil werden.

Vor diesem Bild des himmlischen Jerusalem feiern wir täglich Eucharistie, leben wir von seinem Wort und Brot und bekennen dankbar seine Güte.

Der „unbehauste Mensch“ braucht nicht nur ein Dach über dem Kopf; er braucht eine Stadt, die ihm Wohnung und Heimat ist, die aber nicht von Menschenhand gebaut ist. – Im immer neuen Schauen und Meditieren könnte uns dieses Bild ein wenig erahnen lassen von dem, „was kein Auge geschaut, kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, was Gott aber denen bereitet hat, die ihn lieben.“

Der französische Dichter Andre Gide sagte einmal: „Verstehen Sie mich nicht zu rasch in meinen Schriften!“ Eine Bitte des Autors an seine Leser. Könnte man das nicht auch von diesem Chorgemälde sagen: Verstehen Sie es nicht zu schnell! Man muss dieses Bild von allen Seiten betrachten, von fern und nah, vielleicht von sich weisen und w i e d e r holen, eben wieder h o l e n, und sich dann zu eigen machen.

Schriftworte aus der Geheimen Offenbarung zur Chorwand

Der Seher sprach: Ich hatte eine neue Vision: Da war eine offene Tür am Himmelstempel. 4,1

Da sah ich auf und hörte eine Stimme von vielen Engeln …, die riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ward, zu empfangen Macht, Fülle, Weisheit und Kraft, Ehre und Herrlichkeit und Lobpreis. 5,11 + 12

Alle Engel standen ringsum, beteten Gott an und riefen: Ja, wahrlich, der Lobpreis, die Weisheit und Danksagung, die Ehre, Macht und Stärke gebühren unserem Gott in alle Ewigkeit. 7,11 + 12

(Von den Heiligen heißt es): Es sind die, die aus der großen Trübsal kommen und ihre Kleider reingewaschen haben im Blute des Lammes. Darum stehen sie vor Gottes Thron und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Heiligtum. 7,14 + 15

Der, dem alle dienen, spricht: Ich bin der Erste und der Letzte, der Lebendige. Ich war tot, aber nun lebe ich in alle Ewigkeit. 1,18

Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Selig, die ihre Kleider waschen, dass ihnen Anrecht geschenkt werde auf die Bäume des Lebens und sie einziehen durch die Tore der Stadt. 22,13 + 14

Ich werde dem Dürstenden von der Quelle des Lebenswassers umsonst geben. 21,6 b

Ein Strom von Lebenswasser ging von dem Thron Gottes aus. In der Mitte stand der Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt, jeden Monat bringt er seine Frucht. 22,1 + 2

Und der auf dem Thron sitzt, spricht: Wer dürstet, komme! Wer Verlangen hat, empfange aus Gnade die Wasser des Lebens. 22,17 b

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