Kirchenarchiv

Willkommen auf der Seite des Kirchenarchivs

der Großpfarrei St. Lamberti

 

Das Katholische Stadthaus beherbergt das Zentralarchiv der Pfarrei. Hier werden neben den Amtsbüchern alle wichtigen Akten und Urkunden der einzelnen Gemeinden seit ihrer Gründung verwahrt.

 

 

 

 

Historisches Archiv

Den ältesten Teil des Archivs macht das Historische Archiv der ehemaligen Pfarrei St. Lamberti aus. Neben einzelnen Urkunden und Akten umfasst es größere Aktensammlungen, wie etwa zum Bau der Lambertikirche in den Jahren von 1897 bis 1899. 51 Stücke stammen aus der Periode, die wir heute gemeinhin als „Mittelalter“ ansprechen. Die älteste heute noch vorhandene Urkunde datiert auf den 10. Oktober 1391 und stammt damit aus der Periode des Gladbecker Pfarrers Goswin.

 

Reichte über weite Zeitspannen noch ein gegebenes Wort oder ein Handschlag zur Bekräftigung eines Geschäftsabschlusses, so werden mit dem Beginn der Neuzeit die verschriftlichten Vorgänge zunehmend komplexer. Dies spiegelt sich deutlich im Umfang der tradierten Urkunden und Akten wieder. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts handelt es sich bei den deponierten und archivierten Dokumenten um einzelne Original-Urkunden oder Urkundenkopien. Ab diesem Zeitraum fallen zusätzlich recht umfängliche Sammelakten an. Sie enthalten, beispielsweise in einem Streitfall, sämtlichen Schriftverkehr in der Sache, welcher sich unter Umständen über einen Zeitraum von mehreren Jahren oder Jahrzehnten hinziehen kann.

Insgesamt ist zu konstatieren: je mehr wir uns der Jetzt-Zeit nähern, desto stärker steigt die Menge der Archivalien an, was bei heutiger Archivierung eine gezielte Ausdünnung der Schriftstücke erforderlich macht.

 

 

Teil des Pfarrarchivs ist die Pfarrchronik von St. Lamberti für die Jahre 1939 bis 1972. Aus dieser soll in Auszügen an dieser Stelle berichtet werden.

Chronik

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1.9.1939 waren mit dem H.H. Pfarrer Effing die H.H. Vikare Telohe, Niehoff, Gahlen und der H.H. Kaplan Rowald an der Lamberti-Kirche in der Seelsorge tätig. Herr Vikar Gahlen wurde am 11.6.1940 zum Heeresdienst eingezogen und starb bei der Pflege von Verwundeten an einer tückischen Krankheit in einem Feldlazarett am 13.5.1942 in Russland. Herr Kaplan Rowald wurde am 12.11.1940 nach Bösensell versetzt. An seine Stelle kam Herr Kaplan Kreyenberg. Nur kurze Zeit war er hier tätig und kam März 1941 zum Heeresdienst. In Russland geriet er in Gefangenschaft, und seit seiner Rückkehr 1948 ist er Kaplan in Weeze. Herr Vikar Telohe, seit 1927 in Gladbeck, erhielt 1942 die Pfarrstelle an der Herz-Jesu-Kirche in Bottrop. Sein Nachfolger in der Vikarie BMV war Herr Vikar Dierksmeyer. Rektor des Krankenhauses war seit 1931 Herr Rektor Bierbaum; er wurde 1943 als Pfarrer nach Coesfeld, St. Lamberti, versetzt. Herr Rektor Wenning übernahm 1943 die Leitung des Krankenhauses. An der Oberschule erteilte seit 1930 den Religionsunterricht H.H. Studienrat Peters. Im Sommer 1945 starb er. H.H. Studienrat Schweer wurde im April 1946 nach Gladbeck berufen und erteilt seit dieser Zeit den Religionsunterricht an den Oberschulen. Herr Pastor Kampmann, ein Sohn unserer Gemeinde, und seit 1939 hier im Ruhestand, feierte am 4.6.1948 sein goldenes Priesterjubiläum. Er starb am 31.8.1948.

Der 1939 in Polen begonnene Krieg machte sich auch bald in der Heimat und auch im kirchlichen Leben bemerkbar. Trotz des Krieges nahm die NSDAP jede Gelegenheit wahr, den Kampf gegen die Kirchen zu führen, um sie auf kaltem Wege zu erledigen. So durften von Beginn des Krieges an die Glocken nicht mehr läuten, da der Luftwarndienst gestört werden könne. Vier Glocken wurden im Januar 1941 abmontiert und zum Einschmelzen verschickt. Wenn nach Mitternacht Fliegeralarm war, durfte vor 10 Uhr morgens kein Gottesdienst gehalten werden. Prozessionen durften wegen Fliegergefahr nicht durchgeführt werden. Die kirchlichen Standesorganisationen waren vor dem Kriege aufgehoben und verboten, religiöse Schriften durften nicht mehr erscheinen.

1944
Immer mehr spürte die Heimat den fürchterlichen totalen Mehrfrontenkrieg. Tag und Nacht lebte die Bevölkerung in Alarmbereitschaft. Mehrfach wurden schwere Angriffe gegen Gladbeck geflogen. So auch am 27.9.1944. Bei diesem Angriff durchschlug eine 5 Ztr.-Bombe von der Nordseite her das Kirchendach, landete zwischen dem zweiten und dritten Pfeiler und explodierte in der Kirche.

Furchtbar waren die Verheerungen: viele Bänke, die Beichtstühle und Fenster waren zerstört, der Altar schwer beschädigt. Die Kirche konnte somit für den Gottesdienst nicht mehr benutzt werden. Für einige Wochen wurde der Gottesdienst im Waisenhaus angehalten und kurz vor Weihnachten war der Gesellenhaussaal soweit geräumt und instand gesetzt, dass hier die Gottesdienste durchgeführt werden konnten.

1945
Selbstverständlich ging man gleich daran, an der Kirche die notwendigen Reparaturen vorzunehmen, um Witterungsschäden zu verhüten. Russische Gefangene wurden bei den Aufräumarbeiten eingesetzt.

Die schwersten Beschädigungen erhielt die Lambertikirche bei dem Fliegerangriff am 24.3.1945. An der Nordseite der Kirche fielen neun Bomben des schwersten Kalibers. Die Taufkapelle war ganz zerstört. Teile des Querschiffes waren bis auf die Grundmauern niedergerissen. Durch den Luftdruck wurde das Gewölbe gehoben und stürzte in sich zusammen. Die herabfallenden Schuttmassen zerschlugen sämtliches Inventar des Gotteshauses.
Das Gesellenhaus wurde gleichfalls beschädigt, und wiederum wurde der Gottesdienst im Waisenhaus abgehalten. Nach Beendigung der Kampfhandlungen 1945 war es Pfarrer Effings erste Sorge, der Gemeinde einen größeren Raum für den Gottesdienst zu beschaffen. Die dringlichsten Reparaturen am Gesellenhaus wurden ausgeführt und nach zwei Monaten stand der große Saal für den Gottesdienst wieder zur Verfügung. Gleichzeitig wurde mit den Aufräumarbeiten in der Kirche begonnen. Freiwillige Helfer stellten sich selbst zur Verfügung, noch brauchbares Material, Holz, Metalle, in Sicherheit zu bringen.
Im Juni 1945 wurde Herr Vikar Niehoff zum Pfarrer von Butendorf ernannt. Herr Vikar Große-Sundrup war dessen Nachfolger. Im September 1945 verliess Herr Vikar Dierksmeyer Gladbeck; ihm wurde die Rektoratskirche in Duisburg-Beckerwert anvertraut. Herr Vikar Kaldenhoff bezog die Vikarie BMV am Schürenkamp. An die Stelle des z. Zt. Noch vermißten Kaplans Kreyenberg wurde Herr Kaplan Kuehler berufen.

1946
Infolge der Kinderlandverschickung, der Kriegsunruhen und der Schulschliessung konnte der Kommunionunterricht 1945 nicht durchgeführt werden. So führte man am Weißen Sonntag 1946 die jüngsten und am 2. Juni die älteren Kinder zum ersten Mal zum Tisch des Herrn.

Am ... wurde Herr Pfarrer Krampe als Religionslehrer an die Gladbecker Berufsschule berufen.

Am 2. Weihnachtstag 1946 feierte der Neupriester Bernhard Kösters seine Heimatprimiz in der Notkirche. Trotz schwerster Erkrankung bemühte sich Herr Pfarrer Effing unausgesetzt um die Instandsetzung und den Wiederaufbau der Kirche. Die Dächer der nicht zerstörten Sakristeien ließ er in Ordnung bringen. Das Holz für den Dachstuhl kaufte er und ließ es unter schwierigsten Verhältnissen aus der russischen Zone nach Gladbeck schaffen. Er organisierte 50 000 Ziegelsteine und lagerte sie in der Kirche. Ferner bestellte er das Maßwerk für die Fenster.

1947
Leider war es Herrn Pfarrer Effing nicht vergönnt, den Wiedraufbau seiner Kirche zu erleben. Nachdem er Ostersonntag, 5.4.47, sein goldenes Priesterjubiläum unter größter Teilnahme seiner Pfarrkinder gefeiert hatte, starb er wenige Tage nachher am 12.4.47.

Christi Himmelfahrt und am 18.5. wurde insgesamt 152 Kommunionkinder zum Tisch des Herrn geführt. Am 5.3.47 weilte der H. Herr Weihbischof Roleff in Gladbeck und firmte 713 Knaben und Mädchen.

Als Nachfolger des H. H. Pfarrers Effing wurde im Juli 1947 der H. H. Pfarrer Heierman in sein Am eingeführt. Wichtigste Aufgabe auch des neuen Pfarrers war der Wiederaufbau der Kirche.
Die vordringlichste Arbeit schien ihm die Instandsetzung des durch den Luftdruck der Bomben schwer beschädigten Turmes. Große Flächen der Schieferbedeckung waren abgeflogen. Kugel mit Hahn mussten erneuert werden. Diese schwierigsten Arbeiten wurden von einer Raesfelder Firma ausgeführt und verliefen ohne jeden Unfall.

Dann wurde das Dach in Ordnung gebracht. Der Pfarrer besorgte im Oktober 1947 unter großen Schwierigkeiten die notwendigen Schindeln. Schulkinder halfen beim Transport der Schindeln vom Waggon bis in die Kirche.

1948

Nachdem im Frühjahr 1948 das Dach gedeckt war, begann man mit den Ausführungen der Innenarbeiten: Gewölbe, Fenster, Pfeiler, Fußböden mit Podien, Bänke, Sitzgelegenheiten, Altar, Kommunionbänke und Anstrich. Wie schwer diese Aufgabe war, kann nur der ermessen, der die Zeiten miterlebt hat. Es war eine Zeit des Geldverfalles; für bares Geld waren weder Arbeitskräfte noch Waren zu haben. Für die Arbeiter mussten Verpflegung und Rauchwaren beschafft werden.
Am 2. Juni 1948 war die Feier der Erstkommunion. Dann kam am 20. Juni der Währungsschnitt. Das Vermögen der Kirche ging verloren. Aber trotz aller Schwierigkeiten gelang es dem Pfarrer, in ungewöhnlich kurzer Zeit die Arbeiten so voran zu bringen, dass am 14. November 48 mit der Primiz des Neupriesters Karl Hegemann ein großer Teil der Kirche (2/3 etwa) wieder seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Am 2. Weihnachtstage 1948 beging unter großer Anteilnahme der Bevölkerung H. Herr Pfarrer Heiermann sein silbernes Priesterjubiläum.
Aber noch war viel zu tun: Gewölbe im Restteil der Kirche, Erweiterung der Orgelbühne, Kanzel, Taufwasserbecken, Verlegung der Seitentüren usw. Doch es fehlte an Geld.

1949
Am 9.4.1949 machten die Männer und Jungmänner der Pfarre zum ersten Mal einen nächtlichen Bußgang nach Kirchhellen. Herr Vikar Kaldenhoff übernahm am 24.4. das Rektorat St. Marien in Waltrop.

Sein Nachfolger war H. H. Vikar Rogmans. Am 26.5.49, Fest Christi Himmelfahrt, gingen 282 Knaben und Mädchen zur ersten hl. Kommunion. Weihnachten feierte H. H. Vikar Große-Sundrup sein silbernes Priesterjubiläum.

Auf Veranlassung des Pfarrers wurde im Laufe des Jahres die sogen. Pfennigsammlung eingeführt. Am 3. Sonntag im Monat sammeln Schulkinder mit Büchsen in katholischen Familien. Von diesen Erträgen, rund 400-450 DM monatlich, konnten Kirchenbänke angeschafft werden.

Die Kirchenkollekten am 1. Sonntag jeden Monats sind gleichfalls für den Wiederaufbau der Kirche bestimmt und ergeben je 650-750 DM. Mit diesen Geldern hat Herr Pfarrer Heiermann nach und nach das Inventar der Kirche ergänzt: 4 neue Beichtstühle wurden aufgestellt, 14 Bänke gearbeitet und weitere bestellt, der Altar verbreitert und modernisiert, die passende Beleuchtung angelegt, eine neue Kanzel errichtet und anlässlich der Mission vom 9. September bis 24. September 1950 die Lautsprecheranlage angelegt.

1950
Die Volksmission im Heiligen Jahre wurde von den H. H. Redemptoristenpatres Berntsen, Stemmer, Lückerath, Zayen und Hammen abgehalten. Um den Erfolg der Mission zu sicher und alle Gläubigen der Pfarre zu erfassen, stellten sich freiwillige Helfer und Helferinnen zur Verfügung; sie besuchten all katholischen Familien und brachten ihnen Aufrufe, Merkblätter und Einladungen zur Mission. Auf Veranlassung des Pfarrers wurde hoch am Turme eine Lichtanlage angebracht. An den Abenden der Missionstage erstrahlten vier große Lichtkreuze weithin sichtbar für die Stadt und Umgebung, mahnend und kündend von den großen Tagen. Unsere Pfarrkirche konnte die Gläubigen oft nicht fassen. Um aber allen Gläubigen eine Teilnahme zu ermöglichen, wurden die Predigten auch nach dem Kranken- und Waisenhaus übertragen. Glänzend war der Erfolg: 70 % der Angehörigen der Pfarrei beteiligten sich.

Diese Seite wird durch unsere Archivarin Fr. Dr. Dißelbeck-Tewes weiter aktualisiert, so dass sich ein erneutes Reinschauen immer wieder lohnt!

Frau Dr. Elke Dißelbeck-Tewes arbeitet seit 2002 als Archivarin in St. Lamberti.
Als Ergebnis ihrer Arbeit veröffentlichte Sie bisher folgende Bücher die im Kirchenladen Senfkorn (neben der Lambertikirche) erhältlich sind:

  • „Das Bautagebuch der Gladbecker St.-Lamberti-Kirche“
  • „Zwischen Himmel und Erde – Ein Streifzug durch die Geschichte der Pfarrei St. Lamberti in Gladbeck“

 


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