Impuls

Schokoeier, Osternest, Osterhase - was den meisten wahrscheinlich zuerst in den Kopf kommt, wenn es um Ostern geht, hat nur sehr wenig mit dem zu tun, worum es Christen bei dem höchsten Fest im Kirchenjahr eigentlich geht: die Auferstehung Jesu, der stellvertretend für alle Gläubigen gestorben ist und den Tod überwunden hat.

"Er ist nicht hier." Mit diesen einfachen Worten beschreibt der Evangelist Markus die Entdeckung des leeren Grabes am Ostermorgen durch die Frauen, die den Leichnam salben wollten. Kein triumphales "veni, vidi, vici" (Ich kam, ich sah, ich siegte), mit dem Julius Caesar seinen Sieg über die Gallier kommentierte. Kein "L'État, c'est moi", das die Herrschaft des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. beschreibt. Nein, die zentrale Botschaft des katholischen Glaubens ist ein leeres Grab. In Furcht verlassen die Frauen den Ort, auch wenn sie wissen müssten, dass die Auferstehung Jesu lange zuvor von den Propheten angekündigt worden war.

Wer nicht glauben kann, dass Jesus tatsächlich von den Toten auferweckt wurde, ist nicht allein. Am Ostertag ist es gerade einmal drei Tage her, dass Petrus ihn verleugnet hat. Er kenne den nicht, der behauptet, der Messias, der Erlöser zu sein, hat Petrus den römischen Soldaten gesagt. Er glaubt nicht daran. Und die Emmaus-Jünger, die sich nach Jesu Tod am Kreuz aus Jerusalem verabschiedet haben, erkennen den Auferstandenen erst, als er mit ihnen das Brot bricht und sie zusammen essen.

Diese beiden Geschichten, die in der Osternacht beziehungsweise am Ostersonntag und am Ostermontag in den Evangelien gelesen werden, beschreiben, dass der Glaube an die Auferstehung eine Herausforderung ist. "Einfach so" zu glauben gelingt nicht einmal den Jüngern, die Jesus fast drei Jahre lang begleitet haben. Darum wird die Ostergeschichte seit 2000 Jahren in den Evangelien überliefert und immer wieder neu ausgelegt, erklärt, interpretiert. Unzählige Theologen haben sich damit beschäftigt.

Das vermutlich älteste Symbol ist das Osterlamm, das seit Jahrtausenden für den auferstandenen Christus steht. Schon im Alten Testament wird das Lamm als Opfertier erwähnt, dessen Blut die Israeliten in Ägypten vor furchtbaren Plagen bewahrt hat. In jeder Messfeier ist Jesus selbst derjenige, der sich opfert und für die Menschen zur Rettung wird, so wie das an die Türpfosten gestrichene Blut in Ägypten zur Rettung der Israeliten wurde, was die Juden im Pessachfest feiern.

Heute sehen wir kein leeres Grab mehr, an dessen Botschaft wir glauben könnten. Süßigkeiten und Pauschalreisen über die Feiertage bestimmen das Bild vom Osterfest. Im Alltag, gut 2000 Jahre nach Christus die Auferstehung zu entdecken, fällt schwer. Aber auch die Emmaus-Jünger haben ihn nur mit den Augen nicht erkannt. Ihnen "brannte das Herz", schreibt der Evangelist Lukas. Sie haben nicht gesehen, woran sie glauben. Sie haben es gefühlt.

Ihnen wünsche ich ein frohes und gesegnetes Osterfest 2018
Ihr André Müller, Propst und Caritasdirektor

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