Pfarreigeschichte

Geschichte

Am Rande des Ruhrgebiets gelegen, zählt Gladbeck geographisch zum Münsterschen Becken. Im Zuge der Christianisierung der Sachsen durch die fränkischen Karolinger gegen Ende des 8. Jahrhunderts fiel Gladbeck zusammen mit dem Land südlich der Lippe als Missionssprengel an das Erzbistum Köln, ein Zustand der über 1000 Jahre hinweg anhalten sollte. Seine Missionierung verdankt der Raum den angelsächsischen Heiligen Suitbert und Bonifatius, sowie dem friesischen Heiligen Liudger, die den christlichen Glauben bis zum späten 9. Jahrhundert an die Ruhr getragen haben. Nach Beda Venerabilis (um 673-735) führte die Missionsreise des hl. Suitbert (c. 634-c.709) um 695 zu den Brukterern südlich der Lippe. Der hl. Bonfatius (c. 673-c. 754/55) missionierte weite Teile des östlichen Frankenreichs. Der hl. Liudger (c. 742-809) gelangte Ende des 8. Jahrhunderts bis an die untere Ruhr. Mit der Christianisierung der Sachsen durch Karl den Großen (c. 747-814) am Ende der Sachsenkriege (772-804) gehörte das gesamte Frankenreich zu Beginn des 9. Jahrhunderts dem Christentum an.

 

Über Standort und Aussehen der frühen Gotteshäuser ist nichts bekannt. Ab dem 11. Jahrhundert zählte Gladbecks Kirche zusammen mit dem später so genannten Abdinghof zum Besitz der Benediktinerabtei Köln-Deutz. Der Abdinghof oder Abtshof gelangte vermutlich als Schenkung Ottos III. an seinen Reichskanzler Erzbischof Heribert (999-1021) von Köln und wurde von ihm 1020 der Klosterstiftung in Köln-Deutz zugewiesen. Die Benediktinerabtei verfügte in Gladbeck neben Landbesitz über die Kirche mit dem Kirchenzehnten: Predium in Gladebach cum omnibus suis pertinentiis et forestibus et ecclesiam cum decima. Eine frühe Urkunde von 1019 von der man heute weiß, dass es sich um eine Fälschung handelt, belegt den Sachverhalt. Ihre inhaltliche Aussage kann, gestützt durch weitere Schriftzeugnisse, so etwa den Bericht des Deutzer Küsters, als wahrscheinlich gelten. Päpstliche Bestätigungen des Deutzer Besitzes in Gladbeck stammen aus den Jahren 1147, 1161 und 1207. Sie waren an den jeweils neu ernannten Abt von Deutz gerichtet, dem die Gladbecker Kirche bis in die Neuzeit hinein unterstellt blieb. Ein anderes schriftliches Zeugnis stellt der Liber valoris dar, das Zehntregister der Erzbischöfe von Köln. In ihm ist für das 14. Jahrhundert in Gladbeck eine Kirche nebst Pfarrer dokumentiert.

 

 

 

Handschrift des Gladbecker Pfarrers Goswin von 1375

Als parochia, also als Pfarreibezirk, taucht Gladbeck erstmals urkundlich Mitte des 13. Jahrhunderts auf. Graf Otto III. von Ravensburg übertrug dem Stift Essen zu dem Zeitpunkt Land in parochia Gladebeke. Interessant ist an dem Zitat: der Name hängt ab vom Standort der Kirche am Südufer des Bachlaufs Gladebeke, in relativer Nähe zum Vestischen Hellweg, der Hauptverkehrslinie südlich der Lippe. Wie das Urkataster von 1823 zeigt, zog sich der dörfliche Kern in seiner bäuerlichen Prägung und Bauweise in etwa zwei Kreisen um die Kirche. Der größte Teil der Ansiedlung befand sich im 150-Meter-Radius. Das Vestische Lagerbuch aus dem Jahr 1660 überliefert die Schemata dörflicher Gliederung. Unter Kirchspiel Gladbeck verzeichnet es: Dorf Gladbeck, Bauerschaften Butendorf, Ellinghorst, Rentfort, Zweckel, Braubauerschaft.

Dorfkirche mit Zwiebelturm

Wenigstens vier unterschiedliche Kirchenbauten sind bekannt. Zum Gründungsgut der Abtei Deutz zählte 1020 eine Kirche. Über Standort und Aussehen aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Seit dem 13. Jahrhundert existiert eine Steinkirche am Standort der heutigen Propsteikirche. Archäologische Funde sowie eine Beschreibung Pfarrer Theodor Enbergs (1833-76) überliefern Größe und Aussehen einer romanischen Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert, welche die Baumeister Kleinhans, Werden, und Boner, Münster, 1797 bis 1804 durch eine Dorfkirche mit Zwiebelturmhaube aus Schiefer ersetzten. Die Grundrisse beider Bauten werden vollständig von der heutigen Kirche überdeckt. Die früheste, im 13. Jahrhundert errichtet, bestand aus Hausteinen mit Turm und Schieferbedachung. Sie wurde 1797 niedergebrochen, um Raum für einen größeren Kirchenbau zu schaffen. Es entstand die noch heute vielen Gladbeckern aus Erzählungen geläufige Dorfkirche mit Zwiebelturm.

Der spätere Kölner Dombaumeister Bernhard Hertel (1862-1927) plante die heutige neugotische Hallenkirche in Gladbecks Stadtmitte, die, nach nur 30 Monaten Bauzeit, am 26. Oktober 1899 durch den Münsteraner Bischof Dr. Hermann Dingelstad (1889-1911) eingeweiht wurde. Beide Vorgängerbauten standen leicht verschoben, denn sie suchten möglichst exakt die Ost-Ausrichtung zu realisieren. Hinter der Sakristei befand sich in jener Zeit das Beinhaus. 

Schutzbrief des Lambertusmarktes von 1403

Der Kirchplatz selbst diente den Bewohnern als Versammlungsort und Marktplatz gleichermaßen. Auf ihm fand seit dem 15. Jahrhundert einmal im Jahr der Lambertusmarkt statt. Noch zu Beginn der Neuzeit wurden Klagen laut über „unbotmäßiges Verhalten“. So scheuten die Händler sich nicht, bei Raumnot ihre Marktstände bis auf den Friedhof auszuweiten. War gar die Umfriedung beschädigt, zog dies Tiere aller Art, etwa die Schweine des Nachbargrundstücks an.

Bis in die frühe Neuzeit zählte die Gladbecker Kirche zum Kölner Großdekanat Dortmund. Seit 1612 waren die Kirchen des Vestes Recklinghausen als vestisches Kommissariat verbunden. Die päpstliche Bulle De salute animarum löste 1821 das vestische Kommissariat von Köln ab und unterstellte Gladbeck zusammen mit den übrigen Kirchen des neugegründeten Landdekanats Recklinghausen dem Bistum Münster. 1864 wurde das Landdekanat geteilt und die Gladbecker Kirche dem Dekanat Dorsten zugerechnet. Von 1915 bis 1954 bildeten die Kirchen Horst und Gladbeck das Dekanat Gladbeck. Seit seiner Gründung, im Januar 1958, ist die Gladbecker Kirche Teil des Bistums Essen.

 

 

Mitte des 19. Jahrhunderts war die St. Lamberti Kirche nicht nur die einzige katholische, sondern die einzige Kirche in Gladbeck überhaupt. 1864 lebte in Gladbeck bei 2.725 Einwohnern nur ein Protestant. Vier katholische Priester betreuten die Menschen als Seelsorger. Die Industriealisierung des Gebietes, insbesondere der Beginn des Bergbaus,  ließ die Bevölkerungszahlen in Gladbeck sprunghaft ansteigen. In den 40 Jahren von 1860 bis 1900 verfünffachte sich die Zahl der Einwohner und es wurde nötig, neue Kirchen zu bauen. So entstanden neun Tochtergründungen von St. Lamberti: St. Marien in Brauck (1906), St. Josef in Rentfort (1908) mit St. Franziskus (1980), Heilig Kreuz in Butendorf (1915), Herz Jesu in Zweckel (1915) mit Christus König (1928) und St. Johannes in Mitte-Ost (1953). Die Kirchen St. Elisabeth in Ellinghorst (1961-2010) und St. Pius in Rentfort (1973-2007) mußten inzwischen aufgegeben werden. Alle katholischen Gladbecker Kirchen bilden zusammen seit dem 18. September 2007 die Propstei-Pfarrei St. Lamberti. Wie bisher umreissen die Pfarreigrenzen auch die Stadtgrenzen.

Interessante Webseiten

Propsteipfarrei St. Lamberti          
Humboldtstr. 21
45964 Gladbeck

Tel.: 0 20 43 / 27 99 15
info@sankt-lamberti.de

 

Kontaktformular
Öffnungszeiten

Öffnungszeiten des Pfarrbüros

Vom 17. Juli bis 25. August ist das Pfarrbüro nur vormittags in der Zeit von 9:30 Uhr bis 12 Uhr geöffnet.

Montag u. Dienstag:
09:30 – 12:00 Uhr
15:00 – 17:00 Uhr

Mittwoch:
09:30 – 12:00 Uhr

Donnerstag:
09:30 – 12:00 Uhr
15:00 – 18:00 Uhr

Freitag:
09:30 – 12:00 Uhr

Archiv
Das Fotoarchiv ist noch in Arbeit.